Alles nur geträumt?

 

Samstag, 31.01.04 – Rückrundenauftakt. Es ist mal wieder soweit: Ein VfL-Gastspiel in Köln steht an. Klar, dass sich auch die Aasee-Mönche auf den Weg in die Domstadt machen. Diesmal zu elft und als Fahrgemeinschaft mit dem Bus der Brenndorf-Fohlen.

Halbwegs pünktlich versammelt sich Münsters schwarz-weiß-grüne Delegation am Autobahn-Rasthof Münsterland-Ost, um den Gladbach-Express zu besteigen. So gegen zwölf trifft er ein – eine Stunde später als erwartet, aber was soll’s. Schließlich hat uns ein Haufen unzivilisierter Duisburger bis hierhin ganz gut unterhalten. Die Zebras befinden sich zu diesem Zeitpunkt bereits wieder auf der Rückfahrt – ihr Spiel in Lübeck ist abgesagt worden. Zweitligaverhältnisse...

Abgesehen von der mitunter abenteuerlichen musikalischen Untermalung verläuft die Fahrt nach Köln unspektakulär. Die Parkplatzsuche dauert ein wenig, anschließend wühlen wir uns durch den Schlamm zur Spielstätte. Gegen halb drei betreten wir dessen Innenraum.

Das ist es also, das neue Rhein-Energie Stadion, das heute mit 51.000 Besuchern erstmals bis auf den letzten Platz gefüllt wird. Schon von außen sind uns seine vier armseligen Türmchen aufgefallen. Merkwürdige Konstruktion. Drinnen fällt sofort auf, dass auch hier (wie etwa in Hamburg) der Unterrang eindeutig zu klein ausgefallen ist. Die stehenden Kölner „Fans“ werden durch die riesige Sitzplatz-Tribüne über ihnen optisch erdrückt. Keine Frage, das sieht scheiße aus. Zum Glück wird das bei uns anders werden. Außerdem ist der Nordpark rundum geschlossen. Gott sei Dank! Hier nämlich zieht es gewaltig. Das nervt.

Genauso wie die Karnevalsmucke, mit der man uns von der ersten Minute an zumüllt. Viel zu laut und wie immer viel zu bescheuert. Dazu wird Stadion-TV geboten – bekanntermaßen eine Erfindung, die die Welt nicht braucht. Kaum zu glauben: wir überstehen die bemitleidenswerten Motivationsversuche des einheimischen Publikums weitgehend unbeschadet. Endlich bläst der Schiri zum Angriff.

Doch der bleibt aus, und zwar auf beiden Seiten. Wir sehen einen Grottenkick, vom Anpfiff weg. Die erste Halbzeit ist rum, ohne dass wirklich was passiert ist. Einzig erwähnenswert: der wieder einmal vorbildliche Gladbacher Support. Leider verhallt im unfertigen Kölner Ziegenstall so einiges beinahe ungehört. Die zweite Hälfte beginnt besser. Gladbach drückt nun energischer. Ein gefährlicher Kopfball streicht knapp am Tor vorbei. Davon abgesehen bleiben jedoch die zahlreichen Unpässlichkeiten im Zusammenspiel offensichtlich. Sieben Minuten sind rum, da vertändelt Kolkka den Ball noch in der eigenen Hälfte. Kölns Nachwuchsmann Podolski taucht wie aus dem nichts vorm Gladbacher Kasten auf, macht Strasser nass und lässt Stiel mit einem satten Linksschuss ganz schön alt aussehen. Tor, eins zu null für die Halbaffen. Ein Geschenk.

Gladbach bleibt weiter feldüberlegen. Nur wenige Minuten nach dem Führungstreffer passiert Kurioses. Van Hout unternimmt einen seiner heute durchweg glücklosen Versuche, ins gegnerische Tor zu treffen, zieht aus etwa achtzehn Metern ab. Der Ball klatscht an den langen Pfosten und kullert auf der andere Seite Korzynietz vor die Füße. Auch der zieht ab – und trifft abermals den Pfosten, diesmal den anderen. Zweimal Alu in weniger als fünf Sekunden. Wessels hätte keinen der beiden Schüsse gehabt. Traurig, aber irgendwie bezeichnend. Auch wenn sich die Herren bemühen, bei ihren weitgehend kopflosen Angriffsbemühungen kommt auch im weiteren Spielverlauf nichts rum. Nur wenige Gladbacher erreichen Normalform. Asanin wäre da wohl zu nennen. Ebenso Carnell, der von allen den fleißigsten Eindruck hinterlässt. Vielleicht noch Gaede, aber das war’s auch schon. Bitter, bitter. Vor allen Dingen, wenn man sieht, dass bei den Kölnern auch nicht das meiste zusammenläuft und wie viel Raum sie ihrem Gegner im Mittelfeld überlassen. Zwei gefährliche Konter können die Partie frühzeitig entscheiden, doch Voronin vergibt beide. Bei Gladbach kommen Demo, Sverkos, und zu guter letzt auch noch Podszus. Keiner kann wirklich was bewegen. Eine ziellose Flanke nach der nächsten segelt in den Kölner Strafraum hinein. Echte Gefahr entsteht dadurch nicht. So kommt es, wie es kommen muss: Wir scheitern wieder mal am eigenen Unvermögen und verlieren 0:1.

Was folgt, ist eine grauenhafte Rück„fahrt“ nach Münster. Sage und schreibe 135 Minuten nach dem Abpfiff erreicht unser Bus die Autobahn. Das Unterhaltungsprogramm gleicht einer Folter. Unlustiges Telefon-Gequatsche wechselt sich ab mit bayrischen (!) Fußball-Kommentaren des einschlägig bekannten WDR-Reporters Koch. Der Gipfel scheint erreicht, als sich der Mann bei der Schilderung eines Nürnberger Tores fast überschlagt. Es ist ein 3:0 der Franken – gegen Gladbach. Schlimmer als diese Frechheit ist im Grunde nur noch die „Musik“: Das unfassbar sinnentlehrte Primaten-Trallala aus den Bus-Lautsprechern grenzt an Körperverletzung. Gegen halb zehn hat der Spuk endlich ein Ende. In Münster regnet’s aus Eimern. War ja klar. Ab nach Hause, Sportstudio gucken. Aber denkste: Das ZDF hat ne neue. Carmen Nebel heißt sie und überzieht (wahrscheinlich mit Absicht) sagenhafte 35 Minuten. Kollege Steinbrecher (ausgerechnet) übernimmt erst um kurz nach elf. Sein langweiliges Gelaber mit Olli Kahn („Was ging Ihnen durch den Kopf nach dem WM-Endspiel, als Sie da so alleine rumsaßen?“) strapaziert die Geduldsfähigkeit in fast unerträglicher Weise. Dann endlich der zweiminütige Spielbericht, der sich weitgehend auf das Gegentor und unsere Pfostenballerei beschränkt...

Um Mitternacht stirbt auch der letzte Funke Hoffnung. Heute passte nun wirklich gar nichts zusammen. Doch statt endlich aufzuwachen, gehe ich ins Bett und muss mir eingestehen, das alles heute doch nicht nur geträumt zu haben. Schade.

 

Tim D.Hesse

BFC Aasee-Mönche

 

kurze Ergänzung vom Präsi/Webmaster:

hierzu passt auch das der Speicherchip von Doc teilweise den Geist aufgegeben hat. Somit sind fast alle Beweisfotos hinüber und außer den Augenzeugen wird niemand bezeugen  können das ich "VFL" in den Schnee pinkeln kann -:)))

zurück